Projektbeschreibungen

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Nahwärmeversorgung Dotternhausen

Nahwärmeversorgung Dotternhausen

Die Energiebereitstellung erfolgt aus der Kraft-Wärme-Kopplung des ORC Blockheizkraftwerk der Firma Rio Holzenergie. Deren Überschusswärme wird der Gemeinde Dotternhausen für ihr Nahwärmenetz zur Verfügung gestellt. Das Nahwärmenetz versorgt 90 Gebäude. Das gesamte Konzept ist so aufgebaut, dass weitere Ausbaustufen bis zur Vollversorgung der privaten Wohngebäude möglich sind.
Projektträger Projektstandort Kontakt
Gemeinde Dotternhausen Dotternhausen
Nahwärmeversorgung Dotternhausen
Bürgermeisterin Monique Adrian
Hauptstraße 21
72359 Dotternhausen
Tel.: 07427 / 9405 - 11
adrian@dotternhausen.de
www.dotternhausen.de/gemeinde/nahwarmenetz

Beschreibung

Ziel/Auslöser für das Projekt

Im Jahr 2008 machte sich die Gemeinde Gedanken über die Ertüchtigung der über 30 Jahre alten Heizanlagen in der Schule, der Sporthalle, der Festhalle und dem Kindergarten. Ziel war es, auf erneuerbare Energieträger umzustellen (Ölverbrauch rund 100.000 l pro Jahr). Darum bot es sich an, ein kleines lokales Wärmenetz zur Versorgung der Gemeindegebäude aufzubauen.

Die Gemeinde wollte jedoch nicht nur die öffentlichen Gebäude im Blick haben, sondern auch die Entwicklung der Gemeinde vorantreiben. So entwickelte sich das Projekt "Energiekonzept der Gemeinde Dotternhausen".

Bereits 2009/10 führte die Gemeinde Dotternhausen dann einen Ideenwettbewerb "Nachhaltiges und zukunftsfähiges Energiekonzept der Gemeinde Dotternhausen" durch. Dabei sollten alle in der Gemeinde vorhandenen und erschließbaren Energiequellen überprüft und ein Konzept erarbeitet werden. An dem Wettbewerb konnten sich Ingenieurbüros und Bürogemeinschaften beteiligen. Das Preisgericht wurde neben Vertretern aus der Gemeinde durch kompetente Fachleute unterstützt.

Nach einem fast zweijährigen Verfahren, bei dem insbesondere die Bestanderhebung an Potenzialen und Energiebedarf der Gemeinde (öffentlicher Bereich, privater Bereich, Gewerbe) sehr aufwändig war, konnte das Ergebnis am 27.07.2010 dem Gemeinderat vorgestellt werden. Nach der rechtlichen Vorprüfung kam das Preisgericht zu dem Ergebnis, dass das Konzept eines Nahwärmenetzes gespeist vom vorhandenen Biomassekraftwerk in verschiedenen Ausbaustufen, das nachhaltigste und wirtschaftlichste Konzept ist. Die Preisrichter empfahlen der Gemeinde dieses Konzept weiter zu verfolgen.

Projektbeschreibung

Das Nahwärme-Konzept entwickelte die Gemeinde weiter und schnell war klar, dass ein erster Teilabschnitt direkt angegangen wird. Im November 2010 wurden alle Haushalte angeschrieben, um das Interesse an einem Nahwärmenetz und den Wärmebedarf zu erheben. 147 Fragebogen kamen zurück.

Im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung im Februar 2011 wurde eine erste Konzeption für das Netz in Dotternhausen der Bevölkerung vorgestellt. Über 200 Personen nahmen teil und 72 Gebäudeeigentümer trugen sich noch am selben Abend in eine Interessentenliste ein.

Nachdem die rechtlichen und wirtschaftlichen Vorbetrachtungen vorlagen, wurde zum 01.01.2012 der Eigenbetrieb "Nahwärmeversorgung Dotternhausen" gegründet. Betriebszweck ist die Versorgung des Gemeindegebiets mit Wärme. Ziel ist, die Gesamtgemeinde mit Wärme aus dem Biomassekraftwerk (Holz) eines privaten Betreibers zu versorgen. Der Eigenbetrieb baut und betreibt das Nahwärmenetz sowie die Heizzentrale.

Der erste, 2012 begonnene Bauabschnitt umfasst 5.731 m Nahwärmeleitungen und 90 Hausanschlüsse. Der jährliche Wärmebedarf der 2 Gewerbebetriebe, 7 öffentlichen und 810 privaten Gebäude beträgt rund 2.900 MWh. Das Nahwärmenetz wird von der Heizzentrale im Gewerbegebiet "Großer Acker" gespeist. Die Heizzentrale bezieht Überschusswärme vom benachbarten Biomasse-Kraftwerk der Rio Holzenergie GmbH & Co. Dotternhausen KG. Netzschwankungen werden durch zwei Pufferspeicher mit je 75 m³ Volumen ausgeglichen. Die Pufferspeicher ermöglichen zudem die Abnahme von größeren Überschusswärmemengen aus dem Biomassekraftwerk und erhöhen so den Anteil an Überschusswärme im Netz. Aus Redundanzgründen ist zusätzlich ein Ölkessel mit 1,5 MW installiert.

Da die Heizzentrale erst im Frühjahr 2014 in Bau gehen konnte, die Endabnehmer aber bereits dringend Wärme benötigten, musste das Netz in der Anfangsphase durch ein Hotmobil (Ölkessel) gespeist werden. Seit Juli 2014 bezieht die Nahwärmeversorgung Überschusswärme vom Biomassekraftwerk. Nach einer sehr aufwändigen Inbetriebnahmephase läuft das Nahwärmenetz nun sehr zufriedenstellend. Der Anteil an Überschusswärme am Gesamtbedarf liegt bei über 80 %. Lediglich an sehr kalten Tagen und bei Revisionsarbeiten im Kraftwerk wird die Redundanz benötigt.

Nutzen

  • CO2-Einsparung p.a.: 976 t
  • Energieeinsparung p.a.: Insgesamt werden jährlich rund 310.000 l Heizöl und 104.000 kWh Heizstrom durch Nahwärme ersetzt. Die Nahwärme wird zu mindestens 60 % (derzeit über 80 %) aus industrieller Überschusswärme generiert. Zudem werden die Effizienzverluste der teilweise überalterten Heizanlagen in den Privathaushalten durch eine effiziente Nahwärmeversorgung ersetzt.
  • Kosteneinsparung: Aufgrund der Leitungslängen und der Ausrichtung der technischen Anlagen auf eine Vollversorgung der Wohngemeinde liegt der Endkundenpreis für Nahwärme bei einer Vollkostenrechung auf dem Niveau einer Ölheizung. Aufgrund des hohen Fixkostenanteils am Endpreis wird davon ausgegangen, dass sich der Nahwärmepreis anders entwickeln wird als der Ölpreis und so langfristig betrachtet günstiger wird.

Kosten

Gesamtkosten: rund 4 Mio. Euro

Hinweise für Nachahmer

  • Das Projekt bedarf einer umfassenden Planungsphase, ohne eigenes technisches Personal ist das Projekt nicht umsetzbar. Trotz Begleitung durch ein erfahrenes Ingenieurbüro ist der personelle Aufwand für die Gemeinde sehr hoch.
  • Das Projekt steht und fällt mit der Wirtschaftlichkeit. Ohne rechtsverbindliche Verträge mit den Kunden und den Wärmelieferanten kann das Projekt nicht gestartet werden.
  • Die Nahwärmeversorgung ist für die Gemeinde Dotternhausen ein sehr mutiges Projekt, im Hinblick auf die Gemeindeentwicklung jedoch eine sehr wertvolle Investition in die Zukunft.

Auszeichnung

  • KfW-Programm 271, zinsverbilligte Darlehen und Tilgungszuschüsse
  • Zuschlag nach dem Gesetz für die Erhaltung, die Modernisierung und den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung vom 19.03.2002 (KWKG)

Kenndaten

Allgemeine Informationen  
Baubeginn 1. Bauabschnitt April 2012
Inbetriebnahme Juli 2014
Kapazität derzeit 90 Hausanschlüsse
Leistung Abwärme-Wärmeübertrager (therm.) 3.000 kW
Leistung Ölkessel (therm.) 1.500 kW
Jahreswärmeproduktion rund 3.000 MWh
Jahreswärmebedarf ca. 2.900 MWh
Jahresbetriebsstunden 8.760 h
Wärmespeicher 150 m³
Nahwärmenetzlänge 5.731 m
Brennstoff industrielle Überschusswärme
Eigennutzung alle Gemeindegebäude sind angeschlossen