Hintergrundinformationen

In einem Energiesystem mit zunehmendem Anteil erneuerbarer Energien müssen nicht nur konventionelle Kraftwerke und Speicher die Versorgungssicherheit gewährleisten, sondern auch neue Stromnetze.

Unser bisheriges Energiesystem entstand zur Zeit der Industrialisierung: Fossile Großkraftwerke wurden in der Nähe von oder direkt in Ballungszentren gebaut, also da, wo am meisten Strom verbraucht wurde – beispielsweise im Großraum Stuttgart oder in der Region Mannheim/Karlsruhe. Dies hatte wirtschaftliche Gründe: Kurze Wege bedeuten geringe Transportverluste und auf Flüssen lässt sich z. B. Kohle verhältnismäßig günstig und in großen Mengen zu den Kraftwerken transportieren.

Großkraftwerke können immer Strom produzieren, sie werden als Grundlastkraftwerke eingesetzt, Gaskraftwerke zur Deckung von Lastspitzen. Strom aus erneuerbaren Energien hingegen fluktuiert: Wenn der Wind bläst, wird Strom produziert, ob der Bedarf da ist oder nicht. Das führt beispielsweise dazu, dass zu besonders windreichen Zeiten, wenn gleichzeitig wenig Strom vor Ort abgenommen werden kann, der von Windkraftanlagen erzeugte Strom die Netzkapazitäten überfordert und diese deshalb abgeschaltet werden müssen. Dann ist das immer und ausnahmslos notwendige Gleichgewicht zwischen Einspeisung (Erzeugung) und Ausspeisung (Verbrauch) in Gefahr – und damit die Versorgungssicherheit. Derzeit fehlen notwendige Kapazitäten der Übertragungsnetze, die den Strom bei starkem Wind und geringem Verbrauch im Norden und Osten in ausreichendem Umfang in die wirtschaftlichen Ballungszentren im Süden und im Westen bringen.

Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa soll der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung steigen – bis zum Jahr 2020 auf 20 %. Entsprechend müssen die Netze grenzüberschreitend ausgebaut und stärker miteinander verknüpft werden, um die Energieversorgung gesamteuropäisch zu sichern.

Ausbaubedarf gibt es auf allen Netzebenen. Die Übertragungsnetze der vier Betreiber 50Hertz Transmission, Amprion, TenneT TSO und TransnetBW (für Baden-Württemberg) transportieren den Strom mit der Höchstspannung von 220 kV bis 380 kV (Kilovolt) über weite Strecken zu den Verbrauchsschwerpunkten. Die Verteilnetzebene mit Hoch-, Mittel- und Niederspannungsebenen werden bundesweit von rund 880 Netzbetreibern betrieben, davon rund 130 in Baden-Württemberg (Stand 04/2018). Sie verteilen den Strom immer feingliedriger bis zum Endverbraucher.

 

Quellen:

Weiterlesen im Kapitel "Netzausbauplanung Übertragungsnetz"

 

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