Hintergrundinformationen

Wasserkraft ist derzeit eine der bedeutendsten erneuerbaren Energiequellen in Baden-Württemberg (2014: 7,6 % der Bruttostromerzeugung; Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg 2015). Da die Wasserkraftnutzung jedoch aus ökologischer Sicht eine erhebliche Beeinträchtigung vieler Fließgewässer zur Folge haben kann, können insbesondere bei der Nutzung der sogenannten "kleinen Wasserkraft" (Anlagen bis 1 MW Leistung) Konflikte mit dem Gewässerschutz oder auch der Fischerei entstehen. Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) verfolgt unter anderem das Ziel, bis zum Jahr 2015 einen guten ökologischen Zustand für alle Oberflächengewässer zu erreichen, soweit nicht erheblich veränderte oder künstliche Wasserkörper betroffen sind. Aufgabe des Landes ist es, beide Zielsetzungen – Ausbau der erneuerbaren Energien einerseits und gewässerökologische Verbesserungen im Sinne der WRRL andererseits – so weit wie möglich in Einklang zu bringen.

Von 2015 bis 2016 wurde das Potenzial der Wasserkraft an Standorten bis 1 MW für die Einzugsgebiete Neckar, Donau, Hochrhein, Bodensee/Alpenrhein, Main und Oberrhein systematisch untersucht, ausgenommen des Mains und des Hoch- und Oberrheins selbst sowie des schiffbaren Neckar-Abschnitts zwischen Plochingen und Mannheim. Die Wasserkraftanlagen am Main, Hoch- und Oberhein und am schiffbaren Neckar (Bundeswasserstraße Neckar) haben durchweg eine Leistung von mehr als 1 MW. Die Untersuchung wurde vom Büro am Fluss e.V. in Zusammenarbeit mit dem Hydra Institut für angewandte Hydrobiologie und der Fichtner Water & Transportation GmbH durchgeführt. Dabei wurden einerseits Ausbaupotenziale an bereits für die Wasserkraft genutzten Standorten berechnet. Zudem wurden Neubaupotenziale an noch nicht genutzten Querbauwerken ermittelt. Bei der Bewertung der einzelnen Standorte wurden gewässer- und fischökologische Gesichtspunkte mit berücksichtigt, insbesondere die Durchgängigkeit und die Abflussverhältnisse sowie Fischwanderungen und -migrationen.

Die im Energieatlas Baden-Württemberg dargestellten Ergebnisse basieren auf den Untersuchungen von Heimerl, Becker & Reiss 2015/2016. Als Grundlage für die Potenzialermittlung dienten ökologisch verträgliche Abflüsse gemäß Wasserkrafterlass Baden-Württemberg, die insbesondere die negativen Auswirkungen der Wasserkraftnutzung auf den Aspekt der Fischwanderungen und -migrationen ausgleichen können. Die übrigen Beeinträchtigungen durch Wasserkraftnutzung, insbesondere die negativen Auswirkungen auf den Fließgewässerlebensraum, können jedoch hierdurch nicht oder nur sehr eingeschränkt ausgeglichen werden.

Zu den rechtlichen Rahmenbedingungen für Zulassungsverfahren von Wasserkraftanlagen bis zu 1.000 kW können weitere Informationen der gemeinsamen Verwaltungsvorschrift des Umweltministeriums, des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum und des Wirtschaftsministeriums entnommen werden.

 

Quellen:

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