Hintergrundinformationen

Das Land Baden-Württemberg hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 den Energieverbrauch um 50 % zu senken, den Anteil erneuerbarer Energien auf 80 % zu steigern und die Treibhausgase um 90 % zu verringern (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft: Energiewende Baden-Württemberg). Eine wichtige Schlüsselrolle kommt dabei der Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden zu. Um die angestrebten Klimaziele erreichen zu können, muss der auf den Gebäudebereich entfallende Anteil des Energiebedarfs deutlich gesenkt und der verbleibende Bedarf weitestgehend mit Hilfe erneuerbarer Energien gedeckt werden (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft: Wärmewende als Teil der Energiewende).

Die Energieeinsparverordnung, die für alle beheizten und gekühlten Gebäude gilt und deren letzte Novellierung (EnEV 2014) seit Mai 2014 in Kraft ist, hat zum Ziel, die im Gebäudebestand vorhandenen Energieeinsparpotenziale zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen zu mobilisieren. Die Bestimmung des Wärmebedarfs von Gebäuden ist ein wichtiger Schritt, um belastbare Aussagen über deren Energiebedarf und die vorhandenen Einsparpotenziale treffen zu können.

Dem Ziel, die effiziente Nutzung von Energie in Baden-Württemberg zu steigern und die dafür notwendigen Technologien weiter auszubauen, sowie die Nachhaltigkeit der Energieversorgung im Wärmebereich weiter zu verbessern, dient auch das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) des Landes. Das Gesetz gilt für alle am 1. Januar 2009 bereits bestehenden Gebäude und verpflichtet Eigentümerinnen und Eigentümer, beim Austausch oder nachträglichen Einbau einer Heizanlage mindestens 15 % des jährlichen Wärmeenergiebedarfs durch erneuerbare Energien zu decken, oder den Wärmeenergiebedarf um mindestens 15 % zu reduzieren.

Mit gut einem Drittel trägt die Nutzung von Einsparpotenzialen durch verbesserte Gebäude-Wärmeeffizienz zum Langfristziel bei, die komplette Umstellung auf eine Erneuerbare Energieversorgung zu erreichen. An diesem Ziel arbeiten in Baden-Württemberg immer mehr Regionen und Kommunen (s. Portal Energiewende im Dialog). Mögliche Strategien reichen von der individuell abgestimmten Sanierung einzelner Gebäude über städteplanerische Maßnahmen, wie zum Beispiel der Planung von Nahwärmenetzen, bis hin zur effizienteren dezentralen Bereitstellung und Nutzung der Ressourcen für die Wärmeerzeugung. Die Auswertung des Wärmebedarfs ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Schritt zur Ausarbeitung von Energieeinsparungskonzepten.

Der Wärmebedarfsatlas stellt den Wärmebedarf der öffentlichen Gebäude und der Wohngebäude landesweit auf verschiedenen Ebenen (vom Baublock bis zur Gemeinde) räumlich dar. Der Wärmebedarf dieser Gebäude wurde mit Hilfe eines automatisierten Berechnungsverfahrens auf Einzelhausebene ermittelt und anschließend aus Gründen des Datenschutzes auf die oben genannten Gebietseinheiten aggregiert. Dadurch können Gebiete identifiziert werden, die bei der Umsetzung von Sanierungskonzepten, wie zum Beispiel der Realisierung einer effizienten lokalen Wärmeversorgung durch ein Blockheizkraftwerk, prioritär behandelt werden sollen.

Dennoch stellt der Wärmebedarfsatlas keine Planungsgrundlage für Sanierungs- und Energieerzeugungskonzepte dar. Für konkrete Planungen sind nach wie vor detaillierte Vororterhebungen und -messungen erforderlich. Insbesondere sind in den landesweit verfügbaren und für die Modellrechnung verwendeten Daten nicht die bedarfsmindernden Sanierungseffekte (z. B. durch Gebäudedämmung, Fenstersanierung, Heizungserneuerung etc.) einzelner Gebäude enthalten. 

 

Weiterführende Informationen:

 

Quellen:

Weiterlesen im Kapitel "Wärmebedarf von Gebäuden"