Datengrundlagen

Im Rahmen der Potenzialstudie für das Untersuchungsgebiet wurden verschiedene Datengrundlagen aus den Bereichen Wasserwirtschaft, Gewässerökologie und Energiewirtschaft erhoben und aufbereitet (vgl. Heimerl, Becker & Reiss 2015/2016):

 

1. Wasserwirtschaftliche Daten

  • Auszüge aus dem Anlagenkataster Wasserbau (AKWB) - Stand 2012/2013 und 2016 (nur Neckar). Insgesamt umfassten die übermittelten Daten 3.768 Regelungsbauwerke, 2.270 Wasserkraftanlagen, 11.490 Sohlenbauwerke sowie 935 Absperrbauwerke. Die Informationen über die Wasserkraftanlagen mit weniger als 1 MW Leistung im Untersuchungsgebiet wurden mit wasserwirtschaftlichen Daten der öffentlichen Verwaltung verknüpft. Datenlücken und -unschärfen wurden ergänzt bzw. präzisiert.

  • In Baden-Württemberg werden Fließgewässer mit einer Länge über 500 m vermessungstechnisch im sog. "Amtlichen Digitalen Wasserwirtschaftlichen Gewässernetz" (AWGN) geführt. Dort sind über 18.800 Fließgewässer mit einer Gesamtlänge von ca. 44.800 km erfasst (LUBW 2017). Die im AWGN geführten Geometrien dienen als Grundlage zur gewässerbezogenen Erfassung unterschiedlicher Gewässereigenschaften (z. B. Gewässergüte) und für Objekte, zu denen auch Wasserkraftanlagen gehören.

  • Daten zum wasserrechtlichen Status bestehender Wasserkraftanlagen sowie über laufende wasserrechtliche Verfahren zur Modernisierung oder zum Neubau von Wasserkraftanlagen. Die Erhebung wasserrechtlicher Informationen erfolgte durch Einsichtnahme in die Triebwerksakten bei den unteren Wasserbehörden mit Zuständigkeit im Untersuchungsgebiet. Die Daten wurden mit weiteren wasserrechtlichen Daten abgeglichen. Darüber hinaus wurden Informationen zu im Jahr 2013 laufenden Verfahren zur Modernisierung oder zum Neubau von Wasserkraftanlagen erhoben.

  • Technische Daten aus den Triebwerksakten bestehender Wasserkraftanlagen sowie aus Plan- bzw. Genehmigungsunterlagen geplanter Anlagen. Die bei den Wasserbehörden erhobenen technischen Daten für nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütete Anlagen wurden mit den Leistungsangaben zur Einspeisung dieser Anlagen abgeglichen.

  • Vermessungsdaten aus der Gewässervermessung zum Zwecke der Erstellung von Hochwassergefahrenkarten in Baden-Württemberg. Dort enthaltene Informationen über die Wasserspiegellage von Vermessungspunkten dienten u. a. dazu, fehlende oder ungenaue Informationen über Wasserspiegeldifferenzen zu korrigieren.

  • Hydrologische Daten wurden mittels der DVD BW_Abfluss 2007 (LUBW 2007) ermittelt. Hierbei unterschied sich die Vorgehensweise bei Regelungsbauwerken bzw. Wasserkraftanlagen und Sohlenbauwerken. Nur für Standorte, an denen das theoretische Potenzial mindestens 8 kW beträgt, wurde eine weitere Betrachtung durchgeführt.

  • Wasserkraftstatistik des (damaligen) Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr (Stand 2007/2008).

 

2. Gewässerökologische und fischereiliche Datengrundlagen

Für die fischökologischen Fragestellungen erfolgte in erster Linie ein Abgleich der geografischen Lage der relevanten Querbauwerksstandorte mit dem Status des jeweiligen Gewässers zum Arten- und Fischseuchenschutz sowie zum Migrationsbedarf der Referenz-Fischzönosen. Hierfür wurden folgende Quellen genutzt:

  • Geodatensatz der in Baden-Württemberg ausgewiesenen FFH-Gebiete mit Bearbeitungsstand Juli 2012 und September 2016 (nur Neckar).

  • Geodatensatz zum Migrationsbedarf der Fischfauna in den Fließgewässern Baden-Württembergs (Dußling 2005).

  • Liste der baden-württembergischen Schutzgebiete gemäß Fischseuchenverordnung (2008) mit Bearbeitungsstand Juni 2012 und Oktober 2016 (nur Neckar).

  • Liste der zum Aaleinzugsgebiet des Neckarsystems gehörenden Fließgewässerstrecken (LANUV NRW 2008).

  • Berücksichtigung der historischen Verbreitungsgebiete des Huchens und des Strebers (Donau), des atlantischen Lachses (Hoch- und Oberrhein, Main, Neckar), der "Bodensee-Seeforelle" (Bodensee/Alpenrhein) und der Meerforelle (Oberrhein, Neckar) nach Angaben bei Dußling (2006).

Darüber hinaus wurden die im Anlagenkataster Wasserbau (AKWB) enthaltenen Daten zum Durchgängigkeitsstatus von Regelungs- und Sohlbauwerken für Fische mit entsprechenden Angaben bei Dußling & Reiss (2006, 2007) abgeglichen.

 

3. Daten über die Stromeinspeisung aus Wasserkraftanlagen nach EEG

Um einen Überblick über die im Untersuchungsgebiet (ausgenommen des Hochrheins, des Mains und der Bundeswasserstraße Neckar) in das Netz einspeisenden Wasserkraftanlagen zu gewinnen und zur Plausibilisierung der errechneten Potenziale wurden Daten zur Einspeisung von Wasserkraftanlagen nach dem EEG erhoben. Dazu wurden zunächst die öffentlich zugänglichen Daten über Wasserkraftanlagen ausgewertet, die nach dem EEG vergütet werden. Hierzu dienten insbesondere Daten, die die EnBW Transportnetze AG im Internet zur Verfügung stellt, sowie öffentlich zugängliche Daten weiterer Netzbetreiber. Daraus wurden Daten zur Einspeisung aus den Jahren 2007 bis 2012, sowie der für die Anlagen zuständige Netzbetreiber erhoben. Auf dieser Basis erfolgte eine Abfrage der im Untersuchungsgebiet tätigen Netzbetreiber. Erfragt wurden Informationen zur eingespeisten Strommenge, zur Einspeiseleistung sowie zur Stromvergütung.

 

Quellen:

Weiterlesen im Kapitel "Unschärfen und mögliche Fehlerquellen"