Wärmebedarf von Gebäuden

In Baden-Württemberg entfallen nahezu 48 % des Endenergieverbrauchs auf private Haushalte (Stand 2012, Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, Energiebericht 2014), wobei alleine für Raumwärme und Warmwasserbereitung 83 % aufgewendet werden. Eine wesentliche Rolle hierbei spielen die überwiegende Anzahl älterer Gebäude, die vor Inkrafttreten der 1. Wärmeschutzverordnung (WSchV) aus dem Jahr 1979 gebaut wurden. Im Vergleich zu einem nach der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) erstellten Neubau benötigen diese Gebäude vier Mal so viel Energie zur Beheizung.
 
Endenergieverbrauch privater Haushalte 2012

Endenergieverbrauch im Haushalt (Quelle: "Energiebericht 2014")
Endenergiebilanz Einfamilienhaus 150 m²

Typische Energiebilanz für ein freistehendes und unsaniertes Einfamilienhaus mit 150 m². Verbesserungen an der Gebäudehülle und der Wärmeerzeugung führen zu großen Einsparpotenzialen. (Quelle: "Handbuch Energieberatung", 2014).

Grundlagen zum Wärmebedarf von Gebäuden

Der Wärmebedarf eines Gebäudes ist die Energie, die zur Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser benötigt und dafür vom Heizsystem zur Verfügung gestellt wird. Die Energiemenge, die das Heizsystem für alle zu beheizenden Räume (ohne Warmwasserbereitung) in einem Jahr bereitstellen muss, wird als Jahresheizwärmebedarf bezeichnet. Dieser setzt sich zusammen aus dem Transmissionswärmebedarf und dem Lüftungswärmebedarf.

Transmissionswärmebedarf entsteht durch Wärmeverluste über die Außenhülle des Gebäudes, also Dach, Fassade, Keller und Fenster. Die Heizwärme, die zum Erwärmen der zuströmenden, für einen hygienischen Luftwechsel erforderlichen Frischluft nötig ist, wird als Lüftungswärmebedarf bezeichnet.

Der Wärmebedarf eines Gebäudes ist neben der geografischen Lage von folgenden Faktoren abhängig:

  • Die Gebäudegeometrie (Gebäudehöhe, -kubatur und -nutzfläche) beeinflusst maßgeblich den Wärmeverlust über Außenwände, Fenster, Dach und Boden (Transmissionswärmeverluste, siehe Abbildung zur Energiebilanz).
  • Gebäudealter und Gebäudegröße sind sehr wichtig für die Wärmebedarfsanalyse, da der geometrische Anteil der einzelnen Gebäude-Bauteilflächen (z.B. Dach, Außenwand, Fußboden) nicht nur von der Gebäudegröße, (Gebäudekubatur) sondern auch vom Gebäudealter abhängt. Überdies beeinflussen die eingesetzten Baumaterialen, die sich im Verlauf der unterschiedlichen Bauepochen verändert haben, die wärmetechnischen Eigenschaften der Gebäudehülle.

Die Bewertung der Energieeffizienz von Gebäuden hängt zudem von Alter und Typ des Wärmeversorgungssystems sowie den bereits durchgeführten wärmetechnischen Verbesserungen an der Gebäudehülle ab. Sind diese Daten bekannt, ist die energetische Einordnung eines Gebäudes oder einer Gebäudegruppe möglich. Eine energetische Klassifizierung von Bestandsgebäuden mit systematischen Ansätzen, Kriterien und gebäudetypischen Kennwerten sind in der Studie des Instituts für Wohnen (IWU) "Deutsche Gebäudetypologie" aus dem Jahr 2011 zu finden.

 

Quellen:

Weiterlesen im Kapitel "Wärmebedarfsanalyse"